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Indien ist eine gelenkte Volkswirtschaft, obwohl sich die staatlichen Regulierungen der Binnenwirtschaft und der Schutz der Wirtschaft vor ausländischer Konkurrenz seit Anfang der 1990er Jahre verringert hat. Die Wirtschaft der Städte in der vorkolonialen Zeit wurden von einem hoch entwickelten Handwerk geprägt. Das Handelsnetz war gut ausgebaut und ermöglichte den Export von Waren wie Gewürzen und Stoffen nach Ostasien, Ostafrika, Europa und den Nahen Osten. Die Mehrheit der Bevölkerung war jedoch in der Landwirtschaft tätig.
Im 17. Jahrhundert fassten die Engländer in den Küstengebieten Fuß und der Tuchhandel erwies sich als besonders ertragreich. Gegen Ende des 18. Jahrhundert, durch die industrielle Revolution in England, ersetzten industriell hergestellte britische Textilien die Produktion in Indien, sodass Massenarbeitslosigkeit die Folge war. Im 19. Jahrhundert gab es immer mehr Industriegüter auf dem indischen Markt und die handwerklich hergestellten Waren wurden verdrängt. Da die Briten angesichts ihrer eigenen Absatzmöglichkeiten für ihre Erzeugnisse kein Interesse an einer Industrialisierung Indiens zeigten, konnte sich in Indien nur langsam eine eigene Industrie bilden. Die Anfänge lagen in Bombay, dem Zentrum des Baumwollhandels. Die Baumwollindustrie Indiens war bis zum ersten Weltkrieg zur viertgrößten herangewachsen. Neben der Baumwollindustrie entwickelte sich zeitgleich in Bengalen die Juteindustrie. Zunächst sehr erfolgreich, erlitt die Juteindustrie durch die Teilung Britisch Indiens in Indien und Pakistan einen Rückschlag. Neben der Textilindustrie gelang es nur noch der Stahlproduktion eine bedeutende Rolle in Indien einzunehmen. Der erste Weltkrieg verhalf dem Stahlwerk zu einem Auftrieb und nach dem Krieg erlangte Indiens Stahlmarkt eine beherrschende Stellung.
1947, nach der Unabhängigkeit, wurde eine sozialistische Planwirtschaft aufgebaut. Das Konzept hatte zum Ziel, die weit verbreitete Armut zu überwinden und die Grundlage für ein gleichmäßiges Wachstum zu schaffen. So sollte die Industrie in Indien gegen die ausländische Konkurrenz geschützt werden und die Schwerindustrie gefördert werden. Zu diesem Zweck wurden die Wirtschaftszweige in drei Kategorien aufgeteilt. In der ersten Kategorie sind 17 Schlüsselindustrien angesiedelt, die ausschließlich dem Staat vorbehalten sind. Diese sind z.B. die Rüstung und die Kernenergie. Privatunternehmen durften in diesen Bereichen keine neuen Betriebe errichten, wobei bestehende Privatbetriebe weiter produzieren durften. In der zweiten Kategorie sind Industrien vertreten, die z.B. Aluminium verarbeiten, sowie der Straßen- und Seeverkehr. Hier durfte sich der Staat ebenso wie Privatunternehmen bewegen. Die dritte Kategorie umfasst Wirtschaftszweige der Privatwirtschaft, wie die Landwirtschaft und das Handwerk sowie die weiterverarbeitende Industrie und die Konsumgüterindustrie.
Um die einheimische Industrie zu fördern wurde der Zugang ausländischer Erzeugnissen und Investoren zum indischen Binnenmarkt erschwert. Es wurden Schutzzölle eingeführt und es gab Einfuhrverbote. Zu Anfang der 1960er Jahre wurde dieses System als nicht offen und marktwirtschaftlich genug angesehen und man störte sich am mangelnden technischen Fortschritt. Mitte der 1960er Jahre kam es zu einer großen Wirtschaftskrise, sodass mit einem gewaltigen Modernisierungsprogramm der Wirtschaft auf die Beine geholfen werden sollte. Hauptmaßnahme hierbei war die Einführung widerstandsfähiger Hochertragssorten für die Landwirtschaft sowie die Ausdehnung der Bewässerungsflächen durch den Bau von Staudämmen und Kanälen. Das Industriewachstum verlangsamte sich mit der Verlagerung des Investitionsscherpunktes auf die Landwirtschaft. In den Jahren 1989 bis 1991 kam es zu einer erneuten Wirtschafts- und Finanzkrise, die sich in hohen Teuerungsraten, steigender Staatsverschuldung, Rückzug von Kapital und in einer Verknappung der Devisenbeständen zeigte. Die internationale Kreditwürdigkeit von Indien sank enorm und der hohe Ölpreis, als Folge des Golfkrieges, hatte Auswirkungen auf die Außenhandelsbilanz. Es wurde ein Fünf-Jahresplan erstellt, wobei die neue Wirtschaftspolitik drei Hauptziele umfasste. Die Bewältigung der prekären Finanzlange stand zunächst im Mittelpunkt. Hinzu kamen Kürzungen der Staatsausgaben und die Streichung von Subventionen. Anschließend sollte der Außenhandel liberalisiert werden, was den Abbau der Einführbeschränkungen und Zölle mit sich brachte. Drittes Ziel war die Deregulierung des Binnenmarktes. Heute setzt die Regierung mehr auf die Marktwirtschaft und eine stärkere außenwirtschaftliche Öffnung. So wurden die Bedingungen für ausländische Investitionen in Bereichen der Stromversorgung und dem Fernmeldewesen liberalisiert. Zudem wurde das Privatisierungsprogramm gestoppt. Die Regierung will die Ausgaben disziplinierter gestalten, um so das Haushaltsdefizit zu reduzieren. Bisher gab es jedoch keine großen Erfolge in diese Richtung. Aus diesen Gründen wurde im April 2005 auch die Mehrwertsteuer eingeführt. Zudem wurde der Dienstleistungssektor ausgebaut, obwohl Indien immer noch ein Agrarland ist. Indien befindet sich heute jedoch im Aufschwung, was an der Börse deutlich zu sehen ist.

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