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Die Börse

Schätzungen zufolge wird Indien 2025 die größte Nation der Erde sein und so ist Indien schon wegen seiner Bevölkerung ein Riesenmarkt. Jedoch verhindert das ausgeprägte Kastensystem, die hohe Analphabetenrate und eine marode Infrastruktur Reichtum und Wohlstand, sodass sich die Investoren in den vergangenen Jahren kaum für das Land interessierten. Und doch wächst das Bruttoinlandprodukt im Schnitt um acht Prozent, sodass ein Wachstum nicht aufzuhalten ist und der indische Finanzminister sich über das Wachstums-Tempo der Wirtschaft nicht beklagen kann. Indien ist damit die am schnellsten wachsende demokratische Volkswirtschaft und die 400 Millionen Menschen umfassende, stark zunehmende Mittelschicht Indiens beschleunigt die Nachfrage, fördert so die Wettbewerbsfähigkeit und Produktivität im Land. Im Vergleich zu den Weltbörsen ist die Börsenkapitalisierung der TOP 100 Unternehmen in Indien eher klein.

Der indische Markt ist durch eine große Zahl von internationalen Kooperationen in hohem Maße mit ausländischen Börsen vernetzt. Grundsätzlich ziehen sich Investoren bei einer Börsenschwäche zunächst aus den „unsicheren“ Märkten wie Indien zurück. Der indische Aktienmarkt wird von folgenden Indizes abgebildet: BSE – Bombay Stock Exchange, Index der Börse Bombay und NSE – National Stock Exchange. Im BSE werden unterschiedliche Indizes gebildet, so werden die 100 größten Unternehmen im BSE 100 erfasst, BSE 200 und BSE 500 beziehen entsprechend mehr Unternehmen in die Indexbildung ein. Bei der Frage, warum man gerade indische Aktien kaufen sollte, muss man sich zunächst ein Bild von der Volkswirtschaft Indiens machen. Zuletzt lag das Wirtschaftswachstum bei rund 6%, die Industrieproduktion stieg um 8%. Das Zahlungsbilanzdefizit liegt bei 1,3%, die Auslandsschulden bei 22,1% und das Haushaltsdefizit bei 7% des Bruttoinlandsproduktes. Dem gegenüber stehen offizielle Währungsreserven von 38 Milliarden Dollar. Bereits in den 1990er Jahren wurden Strukturreformen erfolgreich umgesetzt. Indien hat sich durch seine kluge Wirtschaftspolitik nicht in den Strudel der asiatischen Finanzkrisen ziehen lassen, und hat dennoch 2000 21% an Wert verloren. Seit März 2001 ging es mit indischen Aktien weiter deutlich bergab, daher bieten sich aktuell dem Aktienanleger gute Einstiegschancen in den indischen Markt. Bisher sind an den deutschen Börsen noch nicht viele indische Einzelwerte handelbar und die bereits handelbaren Aktien erreichen oft nur geringe Umsätze. Langfristig orientierte Anleger sind daher mit einem Investment in Fonds, die sich auf den indischen Markt konzentrieren, sehr gut beraten.

Die Hauptursache für das Wachstum ist neben einigen anderen Faktoren die vergleichsweise junge, fortschrittliche Bevölkerung. In Indien sind ca. 35% der Einwohner unter 15 Jahre alt, so dass bis 2030 mehr als 335 Millionen Inder das arbeitsfähige Alter erreicht haben. Besonders stark wächst in Indien die Software- und Mobilfunkindustrie. Die Vereinigung indischer Mobilfunkprovider, COAI, erwartet, dass Indien bereits im Jahr 2010 zum drittgrößten Telekom-Markt der Welt aufsteigen wird. Für das Jahr 2007 prognostiziert COAI das Erreichen der 100-Millionen-Grenze bei den Mobilfunkusern. Die Bombayer Börse legte 2003 um 77% an Wert zu und im Frühjahr 2004 erreichte der indische Leitindex Sensex ein neues Allzeithoch. Die Flutkatastrophe führte nur zu leichten Einbußen, sodass das Wachstum des Sensex 2005 weiter ging. Der Star der indischen Börse ist der Weltkonzern Infosys. Große amerikanische Pensionsfonds haben dieses rasante Wachstum erkannt und tragen zur guten Performance des Sensex bei. Im Jahre 2004 haben ausländische Investoren 7,05 Milliarden Dollar netto in die indischen Aktien investiert. Die deutsche Wirtschaft ist noch etwas vorsichtiger mit ihren Investitionen.

Ein weiterer Grund für das Wachstum ist das Outsourcing. Firmen wie Siemens, Deutsche Bank, DaimlerChrysler oder SAP verlagern die Arbeitsplätze zunehmend nach Indien, gründen dort Call-Center und machen sich die gut ausgebildeten IT-Spezialisten im Silicon Valley Indiens, Bangalore, zunutze. Aktuellen Marktforschungen zufolge werden bis 2015 rund 3,3 Millionen Arbeitsplätze von amerikanischen Arbeitgebern nach Indien verlagert, von denen rund eine halbe Million im IT-Sektor angesiedelt sind. Microsoft investierte zudem eine Million Doller in den Ausbau des Kundenservices in Indien und will sein Entwicklungszentrum in Hyderabad stetig ausbauen. Auch IBM spielt mit dem Gedanken, intensiv Jobs nach Indien zu verlegen. Begründet ist dies in dien geringen Kosten, denn in Indien verdient ein Software-Programmierer im Jahr etwa 12.000 Dollar, umgerechnet etwa 9.750 Euro. Das entspricht einem Sechstel dessen, was ein in Amerika oder Europa zu verdienen ist.



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